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RTL II Sendezentrale | © genua.de
RTL II Sendezentrale | © genua.de

Das Privatfernsehen nahm in der Bundesrepublik Deutschland am 1. Januar 1984 mit dem auf zwei Jahre angelegten Ludwigshafener Kabelpilotprojekt seinen Betrieb auf. Es war die Geburtsstunde von PKS (später: Sat.1). Einen Tag später begann ab 17:27 Uhr das damals aus Luxemburg sendende RTL plus, benannt nach dem luxemburgischen Radio- und Fernsehveranstalter RTL (abgeleitet aus Radio Télé Lëtzebuerg), sein deutschsprachiges Programm. Der ungewöhnliche Sendestart fand in der Villa Louvigny mit folgender Spielszene statt: Chefarzt Rainer Holbe entband in einem Kreißsaal mit seinen Geburtshelfern einen Fernseher, auf dem das RTL-plus-Logo zu sehen war. Die Sendezeiten waren Montag bis Freitag von 17:30 Uhr bis 22:30 Uhr und Samstag bis Sonntag von 17:30 Uhr bis 24:00 Uhr. Die erste RTL-Sendung nach dem Startschuss war die 7 vor 7 –Newsshow mit Hans Meiser und Geert Müller-Gerbes.

 

Anders als PKS/Sat.1 konnte RTL plus von Beginn an über Hausantenne empfangen werden – wenn auch nur von einem kleinen Zuschauerkreis von etwa 200.000 Haushalten, die den aus Dudelange in Luxemburg sendenden VHF-Kanal 7 empfangen konnten. Ab 1985 sendete RTL plus über den Satelliten ECS-1 (Eutelsat I-F1).

 

Am 14. Mai 1986 stieg die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) mit einem 10-Prozent-Anteil bei RTL plus ein. Daneben hielt die Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion (CLT) 50 Prozent und die Bertelsmann AG rund 40 Prozent. Anfang 1986 konnte RTL plus von rund 1,25 Millionen Haushalten in der Bundesrepublik Deutschland empfangen werden.

 

Was schon erfolgreich auf Radio Luxemburg lief, kam ab 23. September 1987 auch ins Fernsehen zu RTL plus: Guten Morgen Deutschland, unter anderem mit Nic Jacob. Damit begann nun wochentags das Programm schon um 6:30 Uhr.

 

Da RTL plus bis 1988 mit luxemburgischer Lizenz sendete, wurde die Sendung Hei Elei – Kuck Elei, eine Art Nachrichtenmagazin, in luxemburgischer Sprache ausgestrahlt. 1987 betrugen die Werbeeinnahmen rund 60 Millionen DM bei Gesamtkosten von 130 Millionen DM. Im gleichen Jahr erfolgte die Einführung der neuen Programmform „Frühstücksfernsehen“. Am 1. Januar 1988 wechselte RTL plus seinen Senderstandort von Luxemburg nach Köln sowie eine Niederlassung in München. Das Land Nordrhein-Westfalen genehmigte eine Erstfrequenz, mit der der Sender nach eigenen Angaben Mitte 1988 rund 5,4 Millionen Haushalte in der Bundesrepublik erreichen konnte. Die Vergabe dieser terrestrischen Sendelizenz war an die regelmäßige Ausstrahlung von Fensterprogrammen gebunden, die seitdem von unabhängigen Anbietern wie der dctp, bis 1998 auch Kanal 4, mit eigener redaktioneller Verantwortung produziert werden. Für die Zuschauer sind die Fensterprogramme daran zu erkennen, dass das RTL-Senderlogo ausgeblendet wird. Am 5. April 1988 wurden die Hauptnachrichten 7 vor 7 in RTL aktuell umbenannt. RTL-plus-Chef Helmut Thoma äußerte damals gegenüber der Fernsehzeitschrift TV Spielfilm: „Die Luxemburger lassen uns nur ungern ziehen. Aber sonst bekommen wir keine Frequenzen. Für Köln spricht, dass hier wegen des WDR die Übertragungsleitungen bereits vorhanden sind.“

 

Ab April 1988 begann RTL plus mit Eigenproduktionen, um die Attraktivität des Programms zu verbessern und die tägliche Einschaltdauer zu erhöhen. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung lag die tägliche Einschaltdauer 1987 von RTL plus bei 24 Minuten, dem gegenüber konnte der private Konkurrenzsender SAT 1 46 Minuten erreichen. Zu den neuen Eigenproduktionen des Senders fiel auch die erste deutsche Torten-Show Alles nichts oder?!, präsentiert vom gegensätzlichen Moderatoren-Duo Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen. Eingeladen war stets ein prominenter Gast, mit dem dann gemeinsam gespielt wurde. Der Verlierer bekam am Ende Torten ins Gesicht.

 

Am 5. Januar 1989 wurde die Streitshow Explosiv – Der heiße Stuhl mit den Moderatoren Olaf Kracht und Radiomann Ulrich Meyer neu in das Programm aufgenommen. Von 1989 bis 1994 wurde RTL plus auch über den Satelliten TV-SAT 2 in der D2-MAC-Norm ausgestrahlt.

 

Am 21. Januar 1990 ging die erste Staffel von Tutti Frutti vom Band. Die Frau von RTL-plus-Chef Thoma gab der erotischen Spielshow ihren Namen. Ursprünglich sollte Björn-Hergen Schimpf durch die Show führen − aber seine Frau legte ihr Veto ein. Schließlich übernahm Hugo Egon Balder den Job. Tutti Frutti wurde für RTL plus am späten Sonntagabend (bzw. Freitag oder Samstagabend) zum Quotenerfolg.

 

Am 31. Januar 1990 startete die Mini Playback Show, moderiert von Marijke Amado, mit ihrer ersten Folge, bei der Kinder ihre Lieblingsstars imitieren können. Mit dabei waren als Gäste in der Jury unter anderem Roberto Blanco, Heidi Brühl und Hansi Kraus.

Im Sommer 1990 tourte RTL plus durch die DDR und bot eine bunte Show an. Mit dabei waren u. a. Harry Wijnvoord, Martina Menningen und Hugo Egon Balder. Die heißeste Attraktion für die männlichen Zuschauer war unumstritten der Auftritt des Cin-Cin-Balletts von Tutti Frutti. Ab Dezember 1991 sendete RTL plus rund um die Uhr, zum Bedauern für damalige RTL-Radiohörer, die nun auf ihr RTL-Radioprogramm verzichten mussten, welches immer während der Sendepause im Hintergrund lief.

 

Am 31. Oktober 1992 wurde das plus aus dem Sendernamen gestrichen und durch das meistens ungenannte Television ersetzt. Das plus sollte deutlich vom Radioprogramm Radio Luxemburg abtrennen, was aber Anfang der 1990er-Jahre durch den nun großen Erfolg beim Publikum nicht mehr notwendig war. Die Symbole (gelbe Pyramide, roter Würfel, blaue Kugel) waren aber weiterhin zu sehen. Zuvor trennte sich RTL plus von seinen Ansagern. Ab jetzt entfernte sich RTL-TV immer weiter von seinen Wurzeln und verlor mehr und mehr seine alte Identität. Grundsätzlich wurde fortlaufend fast alles amerikanisiert: Trailer, Sendungen, Inhalte.

Am 15. November 1992 feierte die Sendung Ein Tag wie kein anderer − das älteste Reisequiz von RTL plus − seine 400. Ausgabe. Bereits am ersten Sendetag von RTL plus lief die erste Folge mit Thomas Wilsch und Kandidaten per Telefon. Nach 200 Sendungen übernahm die Sendung für 9 Monate Werner Schulze-Erdel. Ab 1989 moderierten Susanne Kronzucker und Björn-Hergen Schimpf zusammen mit Karlchen. Susanne Kronzucker verließ den Sender im Herbst 1991 wegen ihres Studiums in New York − Schimpf blieb der Show bis 1993 treu, jetzt übernahm der Moderator der Sportsendung 'Anpfiff' Uli Potofski das Reisequiz, als ETWKA noch im selben Jahr abgesetzt wurde.

 

Außerdem sendet RTL von Montag bis Freitag regionale Fensterprogramme unter dem Titel RTL Regional mit dem Magazin Guten Abend RTL für die Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. In Bayern senden zur selben Zeit einzelne Lokalsender ebenfalls regionale Programme. Im Hauptprogramm, das über Satellit und in Gebieten ohne Regionalfenster verbreitet wird, wird in dieser Zeit Explosiv – Das Magazin gesendet.

RTL Zentrale in Köln-Junkersdorf
RTL Zentrale in Köln-Junkersdorf

Nach anfänglichen Schwierigkeiten schaffte es RTL Ende der 1980er Jahre sich durchzusetzen. Im Jahre 1993 hatte RTL seinen bisher höchsten Marktanteil; im selben Jahr wurde der Sender auch erstmals Marktführer (und war der größte Werbeträger Europas). Dies blieb er bis 1997. Auch 1999 und 2001 bis 2003 wurde der Sender Marktführer. In den Folgejahren konnte der Sender seine führende Marktstellung jedoch nicht behaupten und verlor kontinuierlich in der Zuschauergunst. Im Jahr 2006 rangierte RTL hinter der ARD, dem ZDF sowie den Dritten Programmen auf dem vierten Platz. Lediglich in der sogenannten werberelevanten Zielgruppe der 14–49-Jährigen konnte RTL seine Marktführerschaft aufrechterhalten. Seit Dezember 2006 überträgt RTL Zusatzinformationen zum laufenden Programm über blucom.

 

Neben dem bisherigen analogen und digitalen Programmangebot betreibt RTL auch die drei Spartenkanäle RTL Crime, RTL Living und Passion, die gegen Gebühr via Kabel und Satellit zu empfangen sind. Darüber hinaus bietet RTL zusammen mit VOX, sein Programm seit dem 1. November 2009 hochauflösend über die kostenpflichtige Plattform HD+ des Satellitenbetreibers SES Astra an. Seit Anfang 2010 kann man die hochauflösenden Programme auch über einige Kabelnetze empfangen. Einen Termin für die Abschaltung der bisherigen analogen und digitalen Programme gibt es nicht.

 

RTL hat die digitale Ausstrahlung mit Schweizer Werbefenster, RTL CH, über den Satelliten Hot Bird 13,0° Ost zum 1. Januar 2007 eingestellt, die Ausstrahlung wurde Anfang 2008 jedoch wiederaufgenommen. Während der WM 2010 wurde eine temporäre Verschlüsselung aufgeschaltet, die nach der WM wieder deaktiviert wurde. Momentan ist RTL CH über Hot Bird frei empfangbar. Über Kabelfernsehen (DVB-C) ist das Programm schon heute in Teilen Deutschlands nur gegen eine Digitalgebühr zu sehen. Über DVB-T wird das Programm in den Regionen Leipzig und Stuttgart grundverschlüsselt, aber derzeit kostenlos angeboten.

 

Mit der Plattform RTLnow.de wird ein Teil des Programms auch im Internet verfügbar gestellt. Die beliebtesten Serien dort sind für bis zu sieben Tage nach der TV-Ausstrahlung kostenfrei. Danach sind sie kostenpflichtig. Einige sind auch grundsätzlich kostenlos. Einige sind von Anfang an kostenpflichtig und gegen eine Zahlung für 24h anzusehen.

 

Im Jahr 2009 feierte RTL sein 25-jähriges Jubiläum, zu dessen Anlass das Senderlogo im Januar vom Zusatz „25 Jahre“ eingefasst wurde. Der Sender würdigte sein 25-Jähriges zudem mit einer zweiteiligen Jubiläumsshow, die Oliver Geissen moderierte.

RTL sicherte sich die Übertragungsrechte an der Handball-Weltmeisterschaft der Herren 2009 in Kroatien für die Spiele der Deutschen Mannschaft und dem Finalspiel.